Sahra Wagenknecht
DIE LINKE

Schaeffler soll selbst zahlen

Bericht in den Erlanger Nachrichten über die Veranstaltung am 02.06.09

04.06.2009

Sahra Wagenknecht hat im Pacellihaus vor rund 200 Zuhörern über die aktuelle Finanzkrise gesprochen. Die bekannte Politikerin der Partei «Die Linke» forderte dabei, dass für die Rettung der Herzogenauracher Firma Schaeffler die Eigentümerin mit ihrem Vermögen einstehen müsse.

ERLANGEN - Als Sahra Wagenknecht den Saal im Pacellihaus betritt, bekommt sie wie ein Popstar gleich Beifall. Viele wollen die prominente Politikerin vom linken Flügel der Linken sehen, die die Boulevardmedien gern als «die schöne Kommunistin» bezeichnen». 200 Interessierte füllen den Saal, während auf der Bergkirchweih gefeiert wird.

Wagenknecht, die im Europäischen Parlament sitzt und sich in Nordrhein-Westfalen um ein Bundestagsmandat bewirbt, ist aus Berlin für die Veranstaltung angereist.

50 Minuten lang spricht sie über ihr Parade-Thema, die Finanzkrise. Dazu hat sie auch ein Buch («Wahnsinn mit Methode») verfasst, das viele als «kluge Analyse» der globalen Finanzverwerfungen loben. Ein älterer Mann lässt sich sogar das Buch signieren.

«Entfesselter Kapitalismus»

Klar, dabei ruhig und doch engagiert, und fast ohne Satzbrüche - so wie man Wagenknecht aus dem Fernsehdiskussionen kennt - geißelt sie die Krise, die keine «Naturgewalt sei», sondern die Folge eines «entfesselten Kapitalismus». Mit schlimmen Folgen: Mit fünf Millionen Arbeitslosen rechnet sie im nächsten Jahr und weiteren sozialen Einschnitten. Die aber - so Wagenknecht - würden die Politiker erst nach der Bundestagswahl verkünden.

Geld für die Zocker

Plötzlich sei Geld für die Rettung von Banken da, kritisiert Wagenknecht, 480 Milliarden Euro würden für die «Zocker» aufgelegt, während bei Hartz IV–Empfängern gespart werde. Wagenknecht geht auch auf die Situation des Herzogenaurachers Automobilzulieferers Schaeffler ein. Wenn die Milliardärin Schaeffler die Firma verspiele, dann müsse sie auch mit ihrem Vermögen («Sechs Milliarden Euro», sagt Wagenknecht) für die Rettung einsetzen, statt auf Staatshilfen zu hoffen. Staatliche Unterstützung sei höchstens dann gerechtfertigt, wenn dadurch die Mitbestimmungsmöglichkeiten der Beschäftigen deutlich ausgedehnt werde.

Zunehmende Arbeitslosigkeit will Wagenknecht mit öffentlichen Investitionen verhindern. In vielen Bereichen, die man ausbauen könnte - Gesundheit, Bildung, Infrastruktur - gebe es großen Nachholbedarf.

Finanzieren will sie das mit Steuern. Unter anderem mit einer Millionärsabgabe, die 80 Milliarden bringen werde, und einer Börsenumsatzsteuer.

Am Ende ihrer Rede hat Wagenknecht noch Zeit für Fragen. Sie hört konzentriert zu, fast ernst, ihre Mimik bleibt unbeeindruckt. Auch bei Fragen, die eher Vorwürfe sind, ändert sie ihre Haltung nicht.

Ihre Zugehörigkeit zur SED wird zum Beispiel ein Thema. 1989, zu dem Zeitpunkt, als viele sich getraut hatten, sich von der totalitären Einheitspartei zu distanzieren, ist sie eingetreten. Sie wollte die SED und die DDR, die sie so nicht akzeptierte, reformieren, sagt Wagenknecht.

Am Ende wird sie mit großen Beifall verabschiedet. Dem Publikum hat ihr Auftritt offenbar gefallen.

Danach muss Sahra Wagenknecht schon wieder einen Zug erwischen. Für den nächsten öffentlichen Termin. Im österreichischen Graz.

RALF H. KOHLSCHREIBER 4.6.2009

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