Sahra Wagenknecht

Kurzrezensionen

Rezension von Frank Wiebe, erschienen im Handelsblatt am 02.01.09

02.01.2009

SAHRA WAGENKNECHT: Wahnsinn mit Methode - Finanzcrash und Weltwirtschaft Das Neue Berlin, Berlin 2008, 254 Seiten, 14, 90Euro

Bekennende Marxisten sind ja so selten geworden, dass man sie unter Artenschutz stellen müsste. Sarah Wagenknecht, Europa-Abgeordnete der Linken, ist eine der bekanntesten Vertreterinnen dieser seltenen Spezies. Ihr neues Buch lässt das, außer an einigen plakativen Marx-Zitaten und ein paar griffigen Forderungen nach stärkerer Kontrolle der Wirtschaft, aber kaum spüren. Süffig geschrieben, analytisch klar und kenntnisreich beschreibt die Autorin die Finanzkrise. Nur selten geraten ihr politisches Weltbild und ihr genauer Blick auf die Realität miteinander in Konflikt. Etwa, wenn sie die Niedrigzins-Politik der US-Notenbank geißelt und anschließend dem linken Mainstream mit der Bemerkung huldigt, die Hochzinspolitik der Europäischen Zentralbank sei noch schlimmer. Oder wenn sie die Nachfragetheoretiker "sympathischer" findet als die "zynischen" Angebotstheoretiker, um gleich hinzuzufügen, dass beide Seiten nur einen Teil der Realität registrieren. Dafür denkt sie an anderen Stellen etwas weiter als andere Autoren, etwa wenn sie die unterschiedliche Funktionsweise von Finanzmärkten und Gütermärkten analysiert. Ihre Detailkenntnis verdankt sie offenbar auch, wie ein Blick in die Fußnoten zeigt, einer intensiven Lektüre des "Handelsblatts".