Sahra Wagenknecht

«Debatten über Denk- und Sprachverbote gehen an den Bedürfnissen der Menschen vorbei»

Interview mit Sahra Wagenknecht, erschienen in der Neuen Zürcher Zeitung am 14.04.2021

14.04.2021

Frau Wagenknecht, unter Ihren Parteikollegen hat Ihr neues Buch schon vor seiner Veröffentlichung einigen Widerspruch ausgelöst. Einer sprach von einer «Generalabrechnung» mit der Linkspartei, andere forderten, Sie sollten auf eine erneute Bundestagskandidatur verzichten. Haben Sie diese Reaktionen erwartet oder vielleicht sogar erhofft, um eine Debatte anzustossen?

Wenn man ein Buch schreibt, wünscht man sich natürlich konstruktive Diskussionen. Allerdings wurde bisher kaum über den wirklichen Inhalt meines Buchs geredet, das ja erst jetzt erscheint. Es war eine Debatte über Zitate, die aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Diese Diskussion wurde instrumentell geführt, um meine Wiederaufstellung als Kandidatin für den Bundestag zu verhindern.

Letzteres misslang: Am Wochenende wurden Sie von 60 Prozent der Delegierten zur Spitzenkandidatin in Nordrhein-Westfalen gewählt. Ist Ihre Partei gespalten?

Unterschiedliche Flügel gibt es in allen Parteien, und zu den Fragen, die ich in meinem Buch anspreche, gibt es auch in allen anderen Parteien des linken Spektrums entsprechende Diskussionen, zuletzt etwa in der SPD über den Artikel von Wolfgang Thierse, der ebenfalls über Identitätspolitik und Cancel-Culture klagt. Ich hoffe, dass es irgendwann gelingt, diese Debatte weniger mit Emotionen als mit Argumenten zu führen.

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