Berlin (ND). Der eine war viele Jahre Banker, zuerst bei der Staatsbank
der DDR, nach der deutschen Einheit bei der Deutschen Bank. Die andere
ist eine ausgewiesene Kritikerin des Kapitalismus und Vizechefin der
LINKEN. Bei der Diskussionsveranstaltung mit Edgar Most und Sahra
Wagenknecht war der Münzenbergsaal im ND-Verlagsgebäude brechend voll.
Scharfe
Kritik übten Most und Wagenknecht am Umgang der Bundesregierung mit der
Wirtschaftskrise. »Die nächste Krise ist schon da«, sagte Wagenknecht.
Dies sei eine Konsequenz aus der jüngsten Finanzkrise, denn deren
Ursachen seien nicht angegangen worden. Vor allem in der
Finanzwirtschaft sieht Wagenknecht Mechanismen, die wesentlich zur
Krisenanfälligkeit des Kapitalismus beitragen. »Die Banken verfolgen
Renditeinteressen, doch das ist volkswirtschaftlich schädlich«,
bilanzierte sie. Um diesem Treiben Einhalt zu gebieten, forderte
Wagenknecht die Übernahme der Banken durch die öffentliche Hand.
Most
kritisierte die staatlichen Bankenrettungen. »Die Staatsschulden haben
sich enorm erhöht. Ohne das Eingreifen des Staates hätten wir jetzt eine
neue und berechenbare Bankenlandschaft in Deutschland.« Neben diesem
Prozess der Marktbereinigung sprach sich der Banker für eine staatliche
Kontrolle der Finanzmärkte aus.
Dass die Krise noch längst nicht
ausgestanden ist, zeigt auch die derzeitige Eurokrise. Sahra Wagenknecht
warnte, dass Linke jetzt nicht zuversichtlich abwarten dürften, dass
sich der Kapitalismus selbst abschaffe. »Die Wirtschaftskrise muss nicht
unbedingt das Ende des Kapitalismus bedeuten«, gab Wagenknecht zu
bedenken. Durch den jetzigen Zustand ergäben sich nämlich auch Gefahren
für die Demokratie. Dies könne schon bald Griechenland betreffen, wenn
das Land auch wegen der hohen Zinsen, die es zurückzahlen müsse,
zahlungsunfähig werde.